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Begrüßung durch Markus Höfer, Stadtwerke Backnang

Mitte: Martin Röhrs, Forst und rechts: Reinhard Knüdeler
an der LIDAR-WindmeĂźstation

Waldwiese „Pflanzengarten“


16. November 2014  

Windpark Zollstock-Springstein: 120 Interessenten bei Standort-Erkundung

GroĂźes Interesse von Pro und Contra – Projektbeteiligte fĂĽhren Interessierte durch den geplanten Windpark â€“ zahlreiche Fragen vor Ort beantwortet

Die Einladung zu einer FuĂź-Exkursion rund um die geplanten Stand­orte der Wind­energie­an­lagen zwischen Zoll­stock und Spring­stein ist gut an­ge­kommen: Rund 120 Interessierte wanderten am Samstag, 15. November, durch den Wald und erkundeten das Areal, auf dem vielleicht schon zum Jahres­wechsel 2015/2016 Ă–ko­strom fĂĽr rund 10.000 Haus­halte erzeugt werden könnte. Initiiert haben die Bege­hung die BĂĽrger­energie­ge­nossen­schaft Murr eG und die Energie­ge­mein­schaft Weissacher Tal eG. Sie sind Projekt­be­teiligte des inter­kommu­nalen Vor­habens. Bei der Exkursion mit dabei waren auch weitere Vertreter des Investoren-Kon­sor­tiums: die Ener­gie­ge­nossen­schaft Murrhardt und die Stadt­werke Backnang, Von der Forst­seite war Martin Röhrs, Leiter des Geschäfts­bereichs Forst des Rems-Murr-Kreises, mit von der Partie.

Die Fragen von BefĂĽr­wortern, Un­ent­schlossenen und Gegnern waren durch­gehend sachlich, die Stimmung blieb bis zum Schluss freund­lich.

Die zirka fünf Kilometer lange Strecke führte zu vier der sechs möglichen Standorte sowie zum Wind­mess­gerät LIDAR. Während des rund zwei­ein­halb Stunden dauernden Rundgangs erläu­terten Markus Höfer, Geschäfts­führer der Stadt­werke Backnang, und Reinhard Knüdeler von der Ener­gie­ge­mein­schaft Weissacher Tal Einzelheiten des Projekts und be­ant­wor­teten Fragen der Teil­nehmer: unter anderem zur Technik, zu Maß­nahmen des Wegebaus und zu Kran­stell­plätzen. Auch ging es den Refe­renten darum, die Moti­vation der Ener­gie­ge­nossen­schaften für ihr Enga­gement zu ver­deut­li­chen. Die Teilnehmer – Pro wie Contra – zeigten großes sachliches Interesse an Details zum Bau­vor­be­rei­tung und zur Installation der Windräder; gefragt waren auch Auskünfte des Forstvertreters zu den Auswirkungen für den dortigen Wirt­schafts­wald und des Wegebaus. Das Vor­rang­ge­biet für das regionale Ener­gie­wende-Vorhaben ist ein rund drei Kilometer langer und ein Kilometer breiter Streifen südlich des Wande­rheims Eschelhof. Nach bis­heri­gen Erkennt­nissen ist das Areal für einen Wind­park geeignet – sowohl wirt­schaft­lich wie aus Sicht des Natur- und Umwelt­schutzes.

„Der inte­rkommu­nale Windpark ist nicht nur ein wertvoller Beitrag zum Klima­schutz“, sagte Markus Höfer und fügte an: „Er ist viel mehr. Nämlich eine Chance, die zukünftige Ener­gie­ver­sor­gung der Region gemein­sam mit den Bürgern selbst zu gestalten. Und zwar so, dass die Kommunen und Menschen hier etwas davon haben.“ Reinhard Knüdeler bestätigte dieses zentrale Intention des Investoren- und Betrei­ber­kon­sortiums und betonte: „Die Genossen­schaften werden das Geld ihrer Mitglieder nur investieren, wenn die An­for­derungen des Vorhabens an Mensch und Umwelt und die Wirt­schaft­lichkeit voll umfäng­lich erfüllt sind. Deshalb ist es uns wichtig, die Bürge­rinnen und Bürger objektiv zu infor­mieren damit sie sich ein eigenes Urteil über das Projekt machen können.“ Ganz wichtig war ihm an dieser Stelle auch der Hinweis, dass durch die Beteili­gung der örtlichen Genossen­schaften und Stadt­werke die Aus­schöp­fung des Stand­ortes und die Belastung der Natur in Grenzen gehalten wird und die Wert­schöpfung in der Region bleibt.

Partner aus der Region fĂĽr die Region

Zum Auftakt der Begehung brachte Markus Höfer die Eckdaten des Projekts in Erinnerung: Die örtlichen Ener­gie­genossen­schaften möchten gemeinsam mit den Stadtwerken Backnang und Murrhardt die Ener­gie­wende in der Region vor­an­brin­gen. Das Inves­toren-Konsortium aus BĂĽrgern und kommunalen Unter­nehmen arbeitet dafĂĽr mit dem regionalen Projek­tierer WIND Energien GmbH aus Dettingen unter Teck zusammen. Geplant sind sechs hocheffiziente, schallreduzierte Wind­kraft­an­lagen der Firma Nordex mit je 2,4 Megawatt installierter Leistung, die auf dem Areal klima­schonend Strom erzeugen sollen. Rund 25 Millionen Euro kostet das Projekt insgesamt. „Wir wollen, dass die BĂĽrger vom Windpark profitieren, wenn die Anlagen in unserem Sichtfeld Strom erzeugen“, erklärte Reinhard KnĂĽdeler von der Ener­gie­ge­mein­schaft Weissacher Tal, und weiter: „In den beiden Stadtwerken, aber auch im Projektierer haben wir Partner gefunden, die das genauso sehen wie wir! Wir engagieren uns, um fremde Inves­toren zu verhindern und unseren Beitrag zur Energie­wende zu leisten. Vielleicht gelingt es uns ja dadurch auch, Strom­trassen mit wesentlich weit­reichen­deren Umwelt­ein­flĂĽssen aus der Region fern­zu­halten.“

Messergebnisse sind vielversprechend

Auf dem Weg von Standort zu Standort zeigte Markus Höfer auch, wo Forstwege ausgebaut werden mĂĽssen und wo sie später auch wieder zurĂĽck gebaut werden. „Der Kurvenradius ist fĂĽr die langen Trans­port­fahr­zeuge an manchen Stellen zu eng. Deshalb werden hier die Wege entsprechend ausgebaut und befestigt“, informierte er. „Die Wege­pla­nun­gen erfolgen in Abstimmung mit dem Wald­b­esitzer, des Forst BW, und den ĂĽbrigen Geneh­migungs­be­hörden“, erklärte Markus Höfer. FĂĽr viele Teil­nehmer war der Höhe­punkt der Wanderung die Besichtigung des Wind­mess­geräts LIDAR. Ihr Interesse galt vor allem der Technik. Das Gerät erhebt seit April dieses Jahres Daten zu Wind­ge­schwin­digkei­ten: Mit Hilfe von Laser­strahlen wird hier der Wind auf fĂĽnf ver­schiedenen Ebenen bis in 200 Meter Höhe gemessen. Die DurchfĂĽhrung der Wind­messungen ist Aufgabe des Projek­tierers.

„Die Windmessungen sind unerlässlich“, erklärt Markus Höfer. Wir inves­tie­ren nur in die Wind­räder, wenn wir sicher sind, dass sie auch wirt­schaft­lich arbeiten und naturverträglich sind. Die bisherigen Ergebnisse sind erfreu­lich: Die faunis­tischen Gut­achten sind positiv. Und die Wind­messungen der ersten Monate haben eine höhere Wind­höffig­keit gezeigt als ange­nom­men“, infor­mierte Markus Höfer. Er hatte sich am Wochen­ende davor privat die Bautätigkeiten eines vergleichbaren Projekts angeschaut: „Es ist wie bei allen Bau­pro­jekten: Wenn gearbeitet und installiert wird, sieht es natĂĽr­lich stellen­weise schon wild aus“, gestand er, aber danach sei es wie in Neu­bau­ge­bieten: „Ist der Vor­garten erst mal angelegt, Bäume und Stauden etwas gewachsen und der Rasen grĂĽn, heilt die Narbe.“

Vom Pflanzengarten zum Eschelhof

Am potenziellen Windrad-Standort Pflanzengarten erläuterten die Vertreter des Forsts und des Investoren-Konsortiums, wie der Wald nach dem Bau des Windparks aussehen könnte. Zwar müsse für jede Windkraftanlage zunächst um die 3.000 Quadratmeter Wald gerodet werden, ein Teil dieser Fläche wird nach Inbetriebnahme wieder aufgeforstet. Es handele sich hier um einen Wirtschaftswald, in dem regelmäßig Holz geerntet werde. Alle Planungen und Überlegungen erfolgen in Kooperation mit den Forstverantwortlichen. Reinhard Knüdeler betonte, dass die Windräder nach Ende der Betriebszeit zurückgebaut werden können. Da bleibe nichts Sichtbares zurück. „Die Rückbaukosten sind fester Bestandteil des Investitionsplans, für die bereits heute Vorsorge zu treffen ist“, erklärte er.

Beim Abschluss im Eschelhof nutzte noch ein Kreis von rund 40 interessierten Bürgern die Gelegenheit, den Vertretern des Konsortiums und des Forsts weitere Fragen zu stellen und zu diskutieren. Die Atmosphäre blieb auch dort sachlich, was die Vertreter des Konsortiums freute. Dort skizzierte Reinhard Knüdeler noch die Möglichkeiten, wie sich Bürger an dem geplanten Windpark beteiligen können. „Bereits jetzt gibt es reges Interesse an unserem Beteiligungsmodell“, informierte er. Spontan trug sich eine Reihe von Anwesenden in die ausliegenden Interessentenlisten ein. Über die Fortschritte zum Windpark Zollstock-Springstein werden die Beteiligten weiterhin regelmäßig informieren.


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